19.11.2016 - 22.01.2017

Rudolf Knubel: Mit den Augen denken. Retrospektive

Arbeiten 1962-2012: Malerei, Skulptur, Arbeiten auf Papier

Eine Ausstellung im Kunstmuseum Ahlen und in den Flottman-Hallen, Herne

 

In der Kunst von Rudolf Knubel wird die enge Verwandtschaft von Sehen und Denken offenbar. Dieser Grundsatz bildet den gemeinsamen Nenner eines vielgestaltigen künstlerischen Werkes, das sich weder stilistisch noch thematisch eingrenzen lässt und das mit Skulptur, Malerei, Zeichnung, Collage, Druckgrafik und Fotografie gattungsübergreifend angelegt ist.

 

 

An drei Stationen erfolgt erstmals eine umfassende Annäherung an das komplexe Œuvre des 1938 in Münster geborenen Künstlers. Während im Kunstmuseum Ahlen mit über 130 Exponaten Malerei und Arbeiten auf Papier im Mittelpunkt stehen, präsentieren die Flottmann-Hallen in Herne parallel dazu mit rund 100 Arbeiten hauptsächlich skulpturale Werke. Im Frühjahr 2017 widmet sich das LVR-LandesMuseum Bonn vor allem den fotografischen Reihen, die auf Reisen entstanden sind.

 

Mit den Augen denken: Maß, Variation und Relation sind die wesentlichen Prinzipien der Kunst Rudolf Knubels, die zu einer aktiven, vergleichenden Betrachtung einlädt. Basis für seine künstlerischen Projekte sind sorgfältige ästhetische, kulturelle, historische oder biografische Forschungen.

In den frühen Bildwerken ist das Verhältnis von Farbe und Form mal informell-expressiv, mal minimalistisch-konstruktiv angelegt. Damals war Knubel Gründungsmitglied der Künstlergruppe Großgörschen 35 (1964–1968), West-Berlins erster, einflussreicher Produzentengalerie.

 

Bereits 1971 erreichte Rudolf Knubel der Ruf nach Essen, wo er an der Folkwangschule für Gestaltung, heute Folkwang Universität der Künste, seine Lehrtätigkeit aufnahm, die innerhalb seines künstlerischen Schaffens eine wichtige Rolle einnahm. Zusammen mit Schülern und Kollegen entwickelte er eine Gestaltungsgrundlehre, die Jahreszeiten. Die industrielle Stadtlandschaft des Ruhrgebiets reizte ihn und einige Kollegen 1969 zur Gründung der Gruppe B 1. Mit Künstlern wie Kuno Gonschior, Bernd Damke u.a. sollte der Region ein adäquates ästhetisches Gesicht verliehen werden – es entstanden zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum.

 

Dass Rudolf Knubel sein künstlerisches Schaffen nicht losgelöst von der spezifischen historischen, gesellschaftlichen und politischen Situation betrachtet, äußert sich besonders auch in späteren Werkreihen, etwa in seiner intensiven Auseinandersetzung mit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001. Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch das Mildred Harnack-Projekt, das Knubel der amerikanischen Widerstandskämpferin gewidmet hat, die 1943 von den Nationalsozialisten in Plötzensee hingerichtet wurde.

 


Podcast

Im Podcast zu seiner Retrospektive berichtet Rudolf Knubel im Gespräch mit Uwe Rüth, ehemals Direktor des Skulpturenmuseums Glaskasten in Marl, über seine künstlerische Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ein Podcast von Boris Heinrich.

 

Bildnachweis:

Ganz oben: Rudolf Knubel: Hommage à Beuys, 1987, Gouache auf Papier, 53 x 79 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Foto: Peter Stohrer

Links: Rudolf Knubel: o.T. , 1965, Collage, 80 x 71 cm  © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Foto: Peter Stohrer

Mitte: Rudolf Knubel: Exerzitien, 2012, Pastell, 56-teilige Reihe, je 90 x 90 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Foto: Peter Stohrer

Rechts: Rudolf Knubel: highjacked 9/11 II, 2004, Collage auf Foamboard, 71 x 64 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2016. Foto: Peter Stohrer